Nr. 27 - Wandern mit vier Pfoten -
der Schluchtensteig

Krümel und ich sind den Schluchtensteig im Schwarzwald gewandert, von Stühlingen nach Wehr. Nur wir zwei. Sechs Etappen. 119 Kilometer. 5.400 Höhenmeter.

Ich hatte mir ehrlich gesagt vorgenommen, mich vorher ein bisschen in Form zu bringen. Längere Spaziergänge als sonst. Krafttraining im Fitnessstudio... Ich war fest entschlossen!

Und dann: Schwupps, waren drei Monate vorbei, und ich war kein einziges Mal beim Sport😅

Naja, so ist das eben manchmal.

Wir haben es trotzdem gemacht! Denn zum einen wandern Krümel und ich für unser Leben gern und sind durch lange Gassirunden einigermaßen fit. Zum anderen hatte ich mir schon so lange vorgenommen, mal wieder eine Fernwanderung zu machen. Die Zeit vergeht so schnell und Krümel wird ja auch nicht jünger. Und ich auch nicht...

 

Der Schluchtensteig – was er verspricht

Der Schluchtensteig gehört zu den „Top Trails of Germany“, den offiziell ausgezeichneten besten Wanderwegen des Landes. Er führt quer durch den Naturpark Südschwarzwald, durch Wutachflühen, Wutach- und Wehraschlucht, vorbei an Wasserfällen, Felsen, durch urige Wälder, über Wiesen und Weiden mit zum Teil grandiosen Fernblicken auf die Alpen und durch beschauliche Dörfer und Städtchen. Die Versprechen auf der Website klingen verlockend: Ausgesetzte Pfade entlang steiler Felsklammen, tosende Wasserfälle, natürliche Stille und naturbelassene Pfade.

Klingt gut, oder? Ich fand es auch sehr verlockend. Und vieles davon war es auch – aber eben nicht alles.

Ein großer Teil des Schluchtensteigs führt durch Wälder und entlang von Bächen – genau das, was Krümel liebt. Allerdings hat die Sache einen Haken: Oft verläuft der Weg weiter oben im Hang, so dass man das Wasser unten im Tal zwar hört und manchmal auch sieht, aber eben nicht immer unmittelbaren Zugang dazu hat. Das ist natürlich toll für den Schutz der Uferbereiche und ihrer tierischen und pflanzlichen Bewohner; jedoch sollte man diesen Umstand im Hinterkopf behalten. Auch waren im Mai bereits einige der in der Karte verzeichneten kleineren Bäche und Zuläufe versiegt. Wer den Schluchtensteig plant, sollte sich also entsprechend vorbereiten und genügend Wasser für sich und seinen Hund mitnehmen.

 

Los geht´s in Stühlingen

Die erste Etappe von Stühlingen nach Blumberg war sozusagen der „Testlauf“: Würden Krümel und ich die 19 Kilometer lange Strecke schaffen? Es war heiß – ungewöhnlich heiß für Ende Mai. Die Sonne brannte gnadenlos. Auch wenn es zum Glück über weite Strecken einigermaßen schattig war und Krümel sich immer wieder in der Wutach abkühlen konnte, so gab es doch über längere Strecken keinen direkten Zugang zum Wasser.
Im letzten Drittel führte der Weg steil bergauf über Wiesen und entlang von Feldern ohne Schatten, und bei Temperaturen um die 30 Grad hatten wir irgendwann ein Problem: Die mitgebrachten knapp vier Liter Wasser waren fast aufgebraucht, nirgends gab es frisches Wasser zum Auffüllen. Ich musste rationieren – für uns beide. Krümel hat das stoisch mitgemacht, war dann aber doch sehr erleichtert, als sie sich in Blumberg, dem Ziel des Tages, in einem Brunnen abkühlen und ordentlich trinken konnte.

Ist der Rucksack schwer! Nein nein, es waren mit Wasser nur 14 kg...

Los geht`s in Stühlingen. Kostenloser Parkplatz für 1 Woche vorhanden

Noch am Wasser...

... geht es bald in die Wutachflühen. Mit Warnschild: Nur für geübte Wanderer. War aber echt nicht schlimm...

Ausblick - und kein Schatten. Die Sonne brennt, es geht steil bergan...

Endlich: Der Brunnen in Blumberg. Krümel sprang gleich rein

Die Wutachschlucht (2. + 3. Etappe)...

...ist in Rettungssektoren aufgeteilt. Damit man im Unglücksfall schneller gefunden wird.

Die Wege – eine ehrliche Bestandsaufnahme

Der Schluchtensteig wird als „wild und naturbelassen" beworben. Das entspricht – meinem Empfinden nach – leider nicht ganz der Wahrheit.

Ja, es gibt diese wunderbaren Abschnitte auf naturbelassenen Pfaden durch Schluchten,  Wald und Wiesen. Aber daneben wandert man sehr oft eben auch auf Forstwegen, Schotter- und Sandpisten oder auch auf Asphalt.

Gerade bei der Hitze, die wir hatten, war das für Krümels Pfoten richtig unangenehm. Obwohl wir morgens bereits spätestens um 8:30 Uhr unterwegs waren, stiegen die Temperaturen sehr rasch. Ich habe immer wieder auf Anzeichen von Beschwerden geachtet und versucht, schattige Seiten der Wege zu wählen, aber das Laufen in der prallen Sonne ließ sich nicht immer vermeiden.

 

Auch wichtig für alle, die mit Hund unterwegs sind: In den Schluchten gibt es immer wieder Treppen und Brücken aus Gitterrost. Krümel kann und mag darauf nicht laufen – ich musste sie an diesen Stellen tragen. Für uns war das kein Problem, aber wer einen größeren Hund hat, den man nicht einfach tragen kann, sollte das im Vorfeld ernstnehmen: Diese Passagen lassen sich oft nicht umgehen, und im schlimmsten Fall bedeutet das das Ende der Wanderung. Gleich zu Beginn der zweiten Etappe von Blumberg nach Schattenmühle entlang der Wutachschlucht wartet eine acht Meter hohe, steile Gittertreppe. Diese lässt sich zum Glück umgehen – aber nicht alle solche Stellen haben eine Alternative.

 

Die Wutachschlucht ist außerdem zwischen „Wutachmühle“ und dem Dietfurter Wasserfall (Teilstück der 2. Etappe) ein echter Hotspot. Obwohl ich an einem Mittwoch dort war, herrschte reger Betrieb – es waren Pfingstferien. Das hatte ich nicht bedacht. Krümel musste durchgehend an der Leine laufen, die Wege sind stellenweise sehr schmal, und es kamen ständig Leute entgegen. Für uns noch zu bewältigen, aber entspannt war das nicht. Diesen Abschnitt läuft man wohl besser außerhalb der Ferien und am besten unter der Woche.

Manches Wegestück führt an Straßen entlang.

Ein typischer Schotterweg. Krümel läuft schon vor in den Schatten.

Gittertreppe in der Wutachschlucht

Urig war es aber zum Glück auch :-)

Impressionen vom Wegesrand

Beim "Räuberschlössle" (3. Etappe)

Eine typische Brücke mit Gitterstufen

Frisch abgekühlt ist Krümel happy

Unterkünfte: Unbedingt vorher reservieren

Gerade wer mit Hund unterwegs ist, sollte die Unterkünfte frühzeitig buchen. Nicht in allen Pensionen und Hotels sind Hunde erlaubt, und oft ist die Zimmeranzahl begrenzt. Wer das auf die lange Bank schiebt, steht im Etappenziel vor geschlossenen Türen.

Unsere Unterkünfte waren sehr unterschiedlich. Die einfachste – und günstigste – hatten wir in Blumberg, dem Ziel der ersten Etappe. Die Gastgeberin war sehr nett, das Zimmer aber doch recht schmuddelig. Und dann war da noch die Überraschung am nächsten Morgen: Auf dem Fenstervorhang saß eine wirklich riesige Spinne! Wie Ihr vielleicht wisst, habe ich eine ziemliche Spinnenphobie, obwohl es allmählich besser wird. Auch wenn die Spinne und ich uns arrangiert haben: Ich bin doch sehr froh, dass ich sie erst morgens und nicht am Abend zuvor entdeckt habe, sonst wäre das eine sehr unruhige Nacht geworden 😅

Ein sehr schönes Quartier wartete in Fischbach auf uns: Im Gasthof „Hirschen“, dem Ziel der dritten Etappe. Top modernisiert, sauber, mit Balkon – und das Essen in der Gaststube war ausgesprochen lecker. Und das Tannenzäpfle auch!

Ebenfalls sehr empfehlenswert: Die Villa Waldeck in St. Blasien (Etappenziel vier). Individuelle, abgefahrene Einrichtung und sehr nette Gastgeber. Allerdings liegt sie etwas außerhalb, etwa eine halbe Stunde zu Fuß vom Zentrum. Wer Glück hat, kann den Bus nehmen – aber das Busfahren im Schwarzwald ist eine Sache für sich. Nicht jeder Bus ist leicht zu finden, fährt überhaupt - oder der Busfahrer kennt tatsächlich den Weg oder einzelne Stationen nicht. Kein Scherz!

Und wer in St. Blasien ist, sollte unbedingt ins Café Rosalie in der Straße „Im Süßen Winkel" gehen – so ein passender Name. Ein wunderbarer Ort zum Durchatmen und Ankommen.

Meine Mitbewohnerin in Blumberg

Herrlich, so ein kühles Bier am Etappenziel!

Am Schluchsee kamen wir auch vorbei

Und durch Wolfsgebiet!

Pause unterwegs

Ankunft in St. Blasien

Unbedingt besuchen: Café Rosalie in St. Blasien

Villa Waldeck

Menschen, Busse und ein schönes Wiedersehen

Eine schöne Überraschung des Schluchtensteigs: Man trifft immer wieder dieselben Menschen, und da sind viele Nette dabei. Wer zeitgleich unterwegs ist, schläft oft in denselben Unterkünften, man begegnet sich beim Frühstück oder immer wieder unterwegs, z.B. an Rastplätzen. Krümel hat sich immer sehr gefreut, wenn sie Bekannte entdeckt hat und wurde von den Mitwanderern auch immer herzlich begrüßt.

 

Am Ende der dritten Etappe war es wieder so heiß, dass ich Krümel den restlichen Weg ab Lenzkirch nicht mehr zumuten wollte. Der erste Etappenabschnitt von der Schattenmühle bis Lenzkirch war wirklich schön gewesen, es ging viel durch verwunschene und schattige Bachtäler. Aber auch längere Strecken über Schotterwege, und ab Lenzkirch hätte der Weg nochmals ordentlich bergauf über offene Wiesen geführt, größtenteils ohne Schatten.

So haben wir es uns in Lenzkirch erst einmal mit einem Eis bzw. Kauknochen gemütlich gemacht und dann für das letzte Stück den Bus genommen. Sieben Minuten Fahrt versus anderthalb Stunden Wanderung in der prallen Sonne – das war es uns wert.

Gut zu wissen: Mit dem Deutschlandticket oder der Konus-Gästekarte, die es in einigen Unterkünften gibt, fährt man im Schwarzwald kostenlos mit Bus und Bahn. Der Hund zahlt den Kinderpreis. Theoretisch. Nicht alle Busfahrer berechnen das – einfach freundlich fragen.

In Todtmoos, dem Ziel der fünften Etappe, hatte ich dann eine ganz andere Überraschung: Eine gute, alte Freundin machte zufällig in der Nähe Urlaub und kam vorbei. Wir haben uns lange nicht gesehen – da durfte ein Stück Schwarzwälder Kirschtorte natürlich nicht fehlen, auch wenn es erst 10 Uhr morgens war.

Als wir uns verabschiedeten, war der Vormittag schon recht weit fortgeschritten. Da für nachmittags ein Gewitter ankündigt war und meine Hüfte zusehends schmerzte, war die Entscheidung für die letzte Etappe schnell getroffen: Auch von Todtmoos nach Wehr habe ich den Bus genommen, ich gebe es zu. Die sechste Etappe durch die Wehraschlucht ist 23 Kilometer lang – das wäre an diesem Tag schlicht zu viel für mich gewesen, und ich hätte es vermutlich nicht rechtzeitig vor dem Gewitter in die nächste und letzte Unterkunft in Wehr geschafft.

Von dort ging es am nächsten Tag mit dem Bus zurück zum Auto in Stühlingen.

Krümel nutzte wirklich jede Möglichkeit der Abkühlung

Abkühlung im Bach

Abkühlung am Getränkebrunnen

Abkühlung im Schatten. Krümel wollte rasten - mitten im Wolfsgebiet...

Blick auf die Alpen

Schwarzwälder mit der Freundin

Mit dem "Bus" nach Wehr

Geschafft!

Fazit: Nochmal?

Es war wirklich eine schöne Woche. Aber würde ich den Schluchtensteig nochmal wandern? Ehrlich gesagt: Eher nicht, vor allem nicht mit Hund. Die Landschaft ist stellenweise wirklich herrlich. Aber das Verhältnis von naturbelassenen Wegen zu schottrigen und asphaltierten Strecken hat mich doch etwas enttäuscht. Der Weg hält meines Erachtens nicht ganz, was er verspricht.

Es gibt Wanderungen mit naturbelasseneren Wegen, die für Hund und Mensch angenehmer zu laufen sind – zum Beispiel auf der Schwäbischen Alb, die bei uns quasi vor der Haustür liegt.

Was bleibt, ist die intensive Zeit miteinander. Eine ganze Woche, in der Krümel und ich uns voll aufeinander verlassen und viele schöne gemeinsame Erlebnisse sammeln konnten. Das will ich um nichts in der Welt missen!

Praktische Tipps

  • Ausrüstung gründlich prüfen, bevor es losgeht! Nur weil ein Rucksack zwanzig Jahre gute Dienste geleistet hat, heißt das nicht, dass er die nächste Tour übersteht. Meiner hatte nach jahrelangem Einsatz Materialverschleiß – das Gewebe hat sich während der Wanderung nach und nach aufgelöst. Vor einer Mehrtageswanderung: Nähte, Träger, Schnallen, Schuhe, Zelt (sofern dabei) etc. – alles einmal in Ruhe anschauen.
  • Genügend Blasenpflaster einpacken. Auch in gut eingelaufenen Schuhen kann man sich Blasen laufen. Bei mir war es bereits am zweiten Tag soweit – ich musste unterwegs Blasenpflaster nachkaufen.
  • Wasser: Mehr mitnehmen als geplant. Besonders bei Hitze und länger andauernder Trockenheit. Nicht alle Abschnitte bieten Möglichkeiten, Wasser aufzufüllen.
  • Pfoten im Blick behalten. Auf Schotterwegen und heißem Asphalt können Hundepfoten schnell leiden. Wenn möglich, schattige Straßenseiten wählen und regelmäßig die Pfotenballen kontrollieren. Ggf. Schutzschuhe und Pfotenbalsam mitnehmen. Oder den Bus nehmen (sofern einer fährt...)
  • Wenn Dein Hund nicht über Gitterrost laufen kann und zu groß zum Tragen ist, informiere Dich vorher, welche Stellen sich umgehen lassen – und welche nicht. Die steile Treppe bei den Schleifenbachfällen hinter Blumberg (Beginn Etappe zwei) hat eine Umgehung, aber nicht überall ist das der Fall.
  • Unterkünfte früh buchen. Hundefreundliche Zimmer sind rar und schnell vergeben.
  • Am besten in den Touristeninformationen nach aktuellen Busverbindungen erkundigen.
  • Für den Bustransfer zurück zum Auto unbedingt genügend Zeit einplanen, man muss mehrmals umsteigen, und nicht immer erwischt man den Anschlussbus. Ein Zwischenstopp lohnt sich in den mittelalterlichen Städtchen Bad Säckingen, Laufenburg und Waldshut-Tiengen.

 

Anmerkung: Ich hatte überlegt, die einzelnen Etappen ausführlich zu beschreiben, aber es gibt bereits einige gute Wanderführer, so dass ich fürs Erste darauf verzichte. Vielleicht hole ich das noch nach, um insbesondere  weiterführende Tipps für das Wandern mit Hund zu geben.

Empfehlen kann ich den „Outdoor Wanderführer Schluchtensteig“ von Michael Hennemann und Timm Humpfer, erschienen im Conrad Stein Verlag, der eine gute Übersicht über die einzelnen Etappen, Unterkunft- und Einkehrmöglichkeiten sowie Sehenswürdigkeiten bietet. Sehr hilfreich ist auch die Leporellowanderkarte „Schluchtensteig Schwarzwald. Stühlingen – Wehr“ im Maßstab 1:25.000. Auch die offizielle Internetseite www.schluchtensteig.de bietet zahlreiche Tipps.

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